6.2.2012 : 14:09 : +0100

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April

 

Prozession am Weißen Sonntag 1929 vom Schulhof zur Kirche.

 

Archiv: Egon Gross

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Osterbräuche

 

Zur Zeit unserer Großeltern war der Osterhase noch nicht so reich wie heute: Er brachte nur bunte Eier, keine Spielsachen. Dafür hatte er einen – heute ganz in Vergessenheit geratenen – kleinen Vetter, den Palmhasen ( Pällemhaas ). Am Abend vor dem Palmsonntag richteten die Kinder ein kleines Moosnest in Scheune oder Garten. In der Nacht brachte dann der Palmhase für jedes Kind ein einziges hartgekochtes Ei – meist waren die Eier des Palmhasen ungefärbt.

Der Osterhase dagegen brachte viele bunte Eier. Entsprechend größer war die Vorfreude der Kinder auf den Osterhasen und ihr Eifer beim Vorbereiten des Nestes. Rechtzeitig sammelten sie Moos – es sollte bis zur Osternacht ja trocken sein. In das große weiche Moosnest legten die Kinder als Hasenfutter eine Möhre oder eine angeschnittene ( bissfertige ) saftige Runkelrübe, um damit den Osterhasen zu längerem Verweilen und vermehrtem Eierlegen anzuregen. Am Ostermorgen stürmten die Kinder zum Nest und freuten sich über viele rote, gelbe, grüne und blaue Eier.

Die ersten Eier wurden gleich gepellt und gegessen. Beim Péckches – Spiel mit den Geschwistern und Nachbarschaftskindern konnte man die Zahl seiner Ostereier vergrößern. Sorgfältig suchte sich dabei jedes Kind ein Ei aus, dessen Schale ihm fest und hart genug erschien. Dann setzten sich zwei Kinder einander gegenüber an einen Tisch. Mit gezieltem Schwung rollte nun jedes Kind sein Ei dem Gegenüber entgegen. Dabei sollte möglichst das eigene Ei heil bleiben und das des Gegners angepéckt werden. Wessen Ei bei der Karambolage einen Sprung davon trug, hatte verloren und musste sein Ei hergeben. Oft wurden aber auch die angepécksten Eier gemeinsam gegessen.

Meist verloren die Kinder zuletzt ihren Appetit auf hartgekochte Eier. Darum kochte die Mutter am Freitag in der Osterwoche aus den restlichen Ostereiern Aaiersòòß, die mit Salzkartoffeln zum Mittagessen aufgetragen wurde.

Der Alltag der Menschen war früher in viel stärkerem Maße als heute vom Kirchenjahr mit seinen verschiedenen Festzeiten geprägt. In der Fastenzeit wurde die Vorbereitung auf das Osterfest wirklich streng gefastet. Tanzveranstaltungen und öffentliche Feiern waren in der Fastenzeit undenkbar.

Mit dem Gottesdienst am Gründonnerstag verstummen bis heute die Kirchenglocken. Früher erzählte man den Kindern, die Glocken seien nach Rom geflogen. Erst am Ostersonntag kämen sie zurück, um mit ihrem Läuten die Botschaft von Christi Auferstehung von Rom aus ins Land zu tragen.

Ob die Glocken nun in Rom weilten oder stumm im Kirchturm hingen, ihr Läuten ersetzten die Messdiener mit dem Lärm von Kläbbern und Raschbeln. Gekläbbert wurde am Karfreitag und Karsamstag mittags zur Zeit des Angelus-Läutens und abends zur Stunde der Betglocke. Am Karfreitag wurde zusätzlich mit der Kläbber zum Gottesdienst gerufen. Mancherorts riefen die Kläbberbóuwen dabei:

 

Sehaauf, sehaauf,

wer Bään hat, der laauf!

 

Am Karsamstag sammelten die Messdiener ihren „Jahreslohn“ in Form von Eiern ein. Beim mittäglichen Kläbbern sangen sie vor jedem Haus:

 

Aaier ràus, Gléck ént Háus,

mòòr éss Ooschtersónndaach.

 

Die eingesammelten Eier wurden zum Teil gemeinsam verspeist, zum Teil verkauft, um die Messdienerkasse aufzubessern.

 

Josef Heinrich

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