Januar | Februar | März | April | Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember
<typohead type="1" align="center" class="MsoNormal">Drei Bergleute aus dem Theeltal.</typohead>
<typohead type="1" align="center" class="MsoNormal">Sie tragen ihre Bergmannsschirmmützen mit dem "Schlägel- und </typohead>
<typohead type="1" align="center" class="MsoNormal">Eisenemblem" an ihrer Schirmmütze.</typohead>
<typohead type="1" align="center">(Aufnahme aus dem Jahr 1898)</typohead>
Archiv: Egon Gross
______________________________________________________________________
<typohead type="1" align="center">Bergmannsbräuche</typohead>
In den Lebacher Kirchenbüchern erscheint die Berufsbezeichnung: Bergmann (carbonum bituminosorum foshor) erstmals 1856:
Am 3.August 1856 überbrachten der Bergmann Michael Wagner und der Lehrer Johann Brück von Landsweiler fünfzig berliner Thaler zur Stiftung eines Amtes mit Segen und Orgelbegleitung abzuhalten am Kirchweihmontag für die katholischen Bergmänner daselbst und aus der Pfarrei (damals noch Lebach) mit Aussetzung des hochwürdigsten Sakramentes.
Es ist bekannt, dass der Bergmann schon immer gottesfürchtig, religiös und auch standesbewusst war. Am Kirchweihtag und an Fronleichnam hat der Bergmann das Privileg in seiner Bergmannsuniform mit Schachthut und Federbusch mit vier Kameraden den Baldachin zu tragen, unter dem der Priester mit dem Allerheiligsten geht, gefolgt von einer Abordnung von drei uniformierten Bergleuten mit der örtlichen Bergmannsfahne. Ebenso wird während des Trauergottesdienstes und der Beerdigung eines verstorbenen Bergmannes von einer Abordnung in Bergmannsuniform mit Schachthut und Federbusch die Bergmannsfahne mitgeführt. Neben dem Fahnenträger gehen zwei ebenfalls uniformierte Bergmänner mit je einer brennenden Grubenlampe.
Vor Schichtbeginn versammeln sich die Bergleute einer Schicht im Zechensaal zur Einfahrt in die Grube. Der diensthabende Steiger verliest die Namen der einfahrenden Bergleute. Danach wird die Schachtglocke geläutet und alle Anwesenden nehmen ihren "Helm ab zum Gebet" und verharren kurze Zeit mit einem stillen Gebet. Danach beginnt die Seilfahrt in die Grube (unter Tag).
Der Bergmann bekommt neben seinem Lohn in jedem Jahr eine bestimmte Menge an Kohlen, die sogenannten Deputatkohlen für seine Wohnraumbeheizung. Bis um 1930 bekam auch der örtliche Schullehrer die Deputatkohlen. Seine ihm zustehende Menge richtete sich nach der Anzahl der Bergmannskinder, die an seinem Unterricht teilnahmen.
Früher war es üblich, dass der Bergmann an Sonn- und Feiertagen und zu besonderen Anlässen seine Bergmütze getragen hat, eine Schirmmütze mit Schlägel und Eisen Emblem: . Wer es sich leisten konnte, trug dazu auch eine besondere Bergmannsjacke. Mit diesen äußerlichen Insignien demonstrierte der Bergmann sein Standesbewusstsein.
Der höchste Feiertag des Bergmannes ist der St. Barbaratag am 4. Dezember. Er beginnt mit dem Kirchgang, der angeführt wird von einer Abordnung in Bergmannsuniform mit Schachthut und Federbusch und der traditionellen Bergmannsfahne. Anschließend wird ein Bergfest auf dem Zechengelände gefeiert mit Ansprachen und Jubilarehrungen. Bis um 1910 war es eine alte Tradition, dass hierbei der Bergmann von seinen Vorgesetzten und den Bergbeamten bedient wurde. Zu diesem Fest wurde aus speziell angefertigten Biergläsern mit Bergmannssymbolen getrunken, die jeder Bergmann mit nach Hause nehmen durfte. (Heute begehrte Sammlerobjekte).
Die letzte Schicht eines Jahres war die Mettenschicht. Der Arbeitsstollen vor Ort wurde weihnachtlich geschmückt und man feierte im Stollen mit Schmalzbrot und Glühwein, was sich jeder mitbrachte. Dieser Brauch wurde von der Bergbehörde geduldet, war aber offiziell nicht erlaubt. Der Steiger führte bei dieser letzten Schicht im Jahr keine Kontrolle durch. Dieser Brauch erhielt sich bis zum Ende des I. Weltkrieges. Aus Traditionsgründen wird er noch heute jedes Jahr an einem alten Grubenstollenmundloch weiterhin gepflegt.
Im Bergbau bedient man sich bei verschiedenen Tätigkeiten und Begriffen einer eigenen Bergmannssprache. Wer sich auf der Grube um eine Beschäftigung bewirbt, wird nicht eingestellt sondern angelegt. Zu Beginn einer Beschäftigung auf der Grube fährt der Bergmann an. Falls er aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet, wird er abgelegt. Berge nennt man bei der Kohlenförderung alles Gestein außer Kohle. Die Berge werden auf der Bergehalde deponiert. Die Arbeit im Akkord bezeichnet man als Gedinge. Das Endstück eines hölzernen Grubenstempels heißt Mutterklötzchen, weil man es mit nach Hause nehmen durfte. Die Bekleidung, die der Bergmann nur zum Weg von und nach der Grube trägt, nennt er Hin- und Herkleider. Derjenige Bergmann, der vor dem Eisenbahnbau einen weiten Fußmarsch zur Grube hatte wurde als Hartfüßler tituliert. Die Bergmannskuh ist eine Ziege, mit deren Milch die Familie des Bergmannes versorgt wurde.
Der Lebacher Bergmannsverein wurde im Jahr 1873 gegründet. Im Jahr 1973 konnte der Verein sein 100 jähriges Bestehen im Pfarrsaal festlich begehen. In ein paar Jahren wird er wohl seinem Ende entgegen sehen müssen.
Egon Gross
_____________________________________________________________________________


