6.2.2012 : 14:22 : +0100

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Februar

 

Am 9. Dezember 1944 griffen taktische Bomber im Formationsflug Lebach als wichtigen Verkehrsknotenpunkt und Nachschubplatz an. Sie zielten auf die Bahnanlagen und Hauptstrassen, wegen der tiefen Wolkendecke trafen sie die Häuser in der Seiters, die Rohbauten der heutigen Graf Haeseler Kaserne, den Kreuzungsbereich Scherer sowie den Westhang des Wünschberges. Auf der Luftaufnahme von 1952 sind die Vertiefungen noch zu erkennen, welche die Bomben in den Boden der Weinheckflur und in das Mauerwerk gerissen haben. Genau hier wurden beim Kasernenbau die Fundamente der römischen Villa Weinheck 1937/38 ausgegraben. 2000 Jahre Siedlungsgeschichte begegneten sich hier.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

 

Archiv: Klaus Altmeyer

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<typohead type="1"> Letzte Kriegsmonate in Lebach (Oktober 1944 – Mai 1945)</typohead>

 

Während des II. Weltkrieges kannte Lebach unterschiedliche Epochen. Vom Kriegsbeginn im September 1939 bis zum Ende des Frankreichfeldzuges im Juni 1940 wandelte sich der Marktflecken mit seinen 2 984 Einwohnern zu einem wichtigen Etappenplatz gleich hinter der Westfront. Hier kreuzten sich zunächst die Flüchtlingsströme vom linken Saarufer und aus dem industriereichen Saar Tal mit den Truppenkolonnen, die im Westwall oder im vordersten Frontbereich Stellung bezogen. Lebach war mit einem Mal ein wichtiger Nachschubplatz geworden. Neben der militärischen Belegung mit Depots und Stabsstellen richteten Dienststellen und Versorgungsbetriebe aus Saarlouis und Völklingen sowie zahlreiche Firmen hier ihre Ausweichquartiere ein. Die Einwohnerzahl hatte sich fast verdoppelt. Dazu kamen werktäglich die Gymnasiasten aus einem großen Einzugsgebiet, welche die  hier die „Oberschule für das freigemachte Gebiet“ besuchten.

Gegen Kriegsende schälte sich eine ganz andere Situation heraus. Rascher als erwartet  gelangten die alliierten Invasionstruppen an die deutsche Grenzen. Die operative Front, das Schlachtfeld war ganz in die Nähe gerückt. Heftige Kämpfe entwickelten sich Ende November 1944 um die US Brückenköpfe von Saarlautern und Dillingen sowie um den Orscholz Riegel. Die Bewohner von Lebach waren nun in der Reichweite der feindlichen Artillerie, sie wurden aufgefordert, ihre Wohnstätten zu verlassen und auf landeinwärts gelegene Orte auszuweichen. Nur Dienstverpflichtete in Rüstungs- und Versorgungsbetrieben konnten bzw. mussten bleiben. Zu ihnen zählte z.B. Fritz Laufer, der für den Betrieb des RWE-Umspannwerkes  in Jabach an der Bahnunterführung  verantwortlich war. Es galt die Versorgung für den verbliebenen Wohnbereich und auch für die Kampftruppe aufrecht zu erhalten.

Im Ort waren noch knapp 600 Einwohner. Die Ortsmitte war entvölkert. Die Verwaltung mit Polizei und Post war auf Notkommandos umgestellt und hatte sich in die Tholeyer Straße, ins Gasthaus Schäfer  zurückgezogen.  Gottesdienste wurden von Kaplan Hubert Stockhausen im Hause von Maria Serf oder im Hause Senzig zelebriert. Unvergessen bleibt die Mitternachts Mette 1944 bei Senzigs. Stockhausen nahm auch die Beisetzung der Verstorbenen und Kriegstoten vor. Hierbei war er mit den  Messdienern  Alfons Augustin, Hans Jakob Maas und dem Totengräber Sehn zumeist allein. Planwagen brachten die Kriegstoten in Zeltplanen umhüllt zur evangelischen Einsegnungshalle. Nikolaus Sehn hob die Bestattungsgrube aus und verständigte das Pfarramt z.B. durch den Totenschein vom Hauptverbandsplatzes -  HVP  Dienststelle Feldpost Nr. 01257 (Chefarzt Dr. K Reinsdorff). Insgesamt 321 Kriegstote fanden auf dem Lebacher Militärfriedhof ihre letzte Ruhestätte.

 

Von den Kampfhandlungen an der Saarfront dröhnte der Geschützdonner. Tag und Nacht herrschte reger LkW Verkehr, zuweilen rollten auch Schützenpanzer durch die Straßen. Die Sanitätswagen mit den Schwerverwundeten fuhren nur bis zum HVP in den Kasernen. Ganz aus der Nähe wurden immer häufiger von Fliegerangriffen und Artilleriebeschuss Verletzte dort versorgt. Zunächst waren es die Opfer der Bordwaffen an der Straße nach Eidenborn am 27.9. und die Bombenopfer vom 6.10. sowie vom 18.11.  Dazu kamen der Artillerie-Angriff vom 6.12.  und die Bombardierung vom 9.12. Es folgten aber weitere schwere Angriffe, bei denen u.a. Unterkünfte der Schanzarbeiter in Knorscheid getroffen wurden. Russische Kriegsgefangene waren im ehemaligen Lager des Arbeitsdienstes  RAD 1/190 untergebracht, von dort rückten sie zu Aufräum- und  Schanzarbeiten aus. Am 14.12. kamen neun um Leben, fünf Tage später waren es vier. Sie haben ihre Ruhestätte auf dem Militärfriedhof gefunden. Fünf haben eine Tafel mit „unbekannt“. Am 17.2. schlug ein Volltreffer in den Bunker der Kasernen-Bauleitung. Zu den Toten zählten vier Fremdarbeiter: Zwei Franzosen, ein Italiener und ein Ostarbeiter.

 

Es wurde dann ruhig Ende Februar 1945. Auf alliierter Seite liefen die Vorarbeiten zum Angriff auf das Rheinland und darüber hinaus. Mit starken Kräften traten die US Panzerspitzen im März aus dem Mosel-Saar Dreieck an, und zwar zum Angriff Richtung Rhein und zum Aufrollen des Westwall-Front vom Rücken her, um dort die verbleibenden deutschen Kräfte auszuschalten. Am 18. März erreichten sie Lebach und waren auch dann bereits in Koblenz und Mainz. Beim Vorrücken kamen Lebacher ums Leben. Der Notarssohn Wolfgang Hübsch (Jahrgang 1927) durch einen Granatsplitter im Ausweichquartier Steinbach und die Tochter des ehemaligen Kreistierarztes Piroth Petronella (Jahrgang 1881). Sie wollte  nur vom Schutzstollen beim Landwirt Scherer (Saarbrücker Straße 12) auf die andere Straßenseite in ihre Wohnung, da erkannte ein GI von der Wirtschaft Scherer aus ihre Bewegung auf der Straße und traf sie mit einer Karabinerkugel in die rechte Hüfte.

Nach dem Abzug der Kampftruppen wurden die Lebacher Kasernen zum Sammellager ausländischer Zwangsarbeiter aus dem Saarpfalzbereich bestimmt. Unruhige Wochen mussten wegen der Ansammlung von Tausenden von verschleppten Personen – DP s durchlebt werden. Der Krieg war noch eine Zeit lang mit seinen Folgen spürbar. So kamen Jugendliche wiederholt um, wenn sie mit der herumliegenden Munition im Mai und Juni  1945 spielten, so z.B. in Niedersaubach und in Landsweiler. Trotz Schwierigkeiten und Mängel stellte sich allmählich in Lebach die Rückkehr zur Normalität ohne Kampfhandlungen und ohne Hitlerdiktatur ein. Die Anwesenheit von US Besatzungstruppen gehörte schon bald zum Alltag. Am 10. Juli 1945 wurden sie von französischen  Soldaten abgelöst.

 

Klaus Altmeyer

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