6.2.2012 : 14:45 : +0100

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Januar

 

 

 

Dr. Waldemar Terres

 

 

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Den Untergang der Wilhelm-Gustloff überlebt<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

 

Der Untergang der Wilhelm Gustloff  war die größte Katastrophe, die in der Geschichte jemals ein einzelnes Schiff betraf, die Zahl der Opfer überstieg die der durch Verfilmungen bekannten Titanic um ein Mehrfaches.

Ursprünglich war die Wilhelm-Gustloff als sgn. KdF-Schiff geplant worden. Die „Kraft-durch-Freude“-Einrichtungen sollten zu Zustimmung und Engagement für den Nationalsozialismus motivieren. Das Schiff wurde in den Jahren 1936 bis 1938 auf der Blom&Voss-Werft in Hamburg gebaut. Die Baukosten von ca. 25 Millionen Reichsmark entstammten dem Vermögen der nach der Machtergreifung durch Hitler aufgelösten Gewerkschaften. Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung war es  mit 25.484 Bruttoregistertonnen das größte spezielle Kreuzfahrtpassagierschiff der Welt; in der Liste der Welthandelsflotte nahm es den 25. Platz ein. Es handelte sich auch nach heutigen Maßstäben um ein beeindruckendes Schiff von 208,5 m Länge, 23,5 m Breite, die Höhe vom Kiel bis zur Mastspitze betrug 56 m. Auf  10 Decks war Platz für insgesamt 1.924 Menschen, davon allein 1.465 Passagiere.

Nach kurzer Zeit als Passagierschiff wurde die Gustloff  1940 als Lazarettschiff eingesetzt, bis sie Ende 1940 nach Gotenhafen (heute: Gdingen) verlegt wurde. Dort diente sie als Wohnschiff für die Ausbildung von U-Boot-Besatzungen. Am 13. Januar 1945 begann eine Offensive der russischen Armee, durch die die deutsche Ostfront zusammenbrach. Binnen Tagen entstand ein niemals für möglich gehaltenes Flüchtlingschaos, weil Hunderttausende Zivilisten flohen. Eine vorbereitende, geordnete Evakuierung war von den deutschen Behörden versäumt worden. Am 21. Januar 1945 erhielt die Gustloff den Befehl, U-Boot-Besatzungen, Verwundete und fliehende Zivilisten in möglichst hoher Zahl aufzunehmen. In größter Eile wurden zusätzliche Rettungsboote, Flöße etc. auf das Schiff gebracht, wobei dennoch klar war, dass ihre Zahl für die Rettung aller nicht ausreichen würde. Tausende drängten auf das Schiff. Dr. Waldemar Terres, der damals Oberfähnrich im Sanitätsbereich auf der Gustloff war und als letzter Einschiffungsoffizier die Anbordnahme der Flüchtlinge zu überwachen hatte, bestätigt, dass sich zum Zeitpunkt des Untergangs der Gustloff 10.582 Menschen an Bord befanden. Am 30. Januar 1945 lief das Schiff, bis in den letzten Winkel besetzt, bei eisiger Kälte mit dem Zielhafen Kiel aus. Als Begleitschutz war das Torpedoboot „Löwe“ im Einsatz.

Man rechnete nicht mit U-Boot-Angriffen, sondern eher mit Luftangriffen. Von 20.00 bis 21.00 Uhr war Dr. Terres Offizier vom Dienst, danach hielt er sich in seiner Kabine auf. Um 21.10 Uhr traf der erste Torpedo des russischen U-Bootes S 13 die Gustloff im Maschinenraum. Sofort danach erfolgten noch zwei weitere Torpedotreffer. Unter den Passagieren brach Panik aus, an eine organisierte Hilfe war nicht mehr zu denken. Viele Zivilisten hatten sich für die Nacht verbotenerweise umgezogen, in dem Chaos verloren sich Mütter und Kinder, die meisten wussten nicht, wohin sie sollten. Da nur noch die Notbeleuchtung funktionierte, kam es an den Niedergängen und vor den zu wenigen Rettungsbooten zu grauenhaften Szenen. Trotz des Chaos ließ die Besatzung nur Frauen und Kinder in die Rettungsbote. So blieb sehr vielen nichts anderes übrig, als mit einer Schwimmweste bei  Minus 18 Grad Außentemperatur in das nur 3 Grad eiskalte Wasser zu springen. Da die Besatzungsmitglieder alle Schwimmwesten an die Passagiere abgeben hatten, sprang Dr. Terres von dem sich nach kurzer Zeit zur Seite neigenden Schiff ins Meer, um sich an einem Floß festzuklammern. Nach etwa 50 Minuten sank das Schiff. Das Begleitschiff legte sich trotz der andauernden U-Boot-Gefahr quer zur Strömung, und es gelang ihm im Laufe von etwa drei Stunden die Rettung von 564 Personen, unter ihnen Dr. Terres. Er verlor beim Untergang des Schiffes alles, außer dem, was er am Leibe trug. Andere Schiffe, die den Verzweifelten zu Hilfe kamen, retteten insgesamt 1.252 Schiffbrüchige. Durch die Katastrophe der Gustloff verloren 9.343 Menschen ihr Leben, indem sie ertranken, erfroren oder von dem sinkenden Schiff in die Tiefe gerissen wurden.

Zusammen mit den anderen Geretteten wurde Dr. Terres nach Saßnitz auf Rügen gebracht. Und obwohl sie nach dem stundenlangen Aufenthalt in der eisigen Ostsee immer noch in nassen Kleidern steckten, mussten die Überlebenden noch eine halbe Stunde durch die Nacht zu einem Aufnahmelager in einer Kaserne marschieren, die auf die Schiffbrüchigen nicht vorbereitet war. Das Kriegsende erlebte Dr. Terres in einem Bremer Lazarett.

 

Thomas Rückher

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