9.9.2010 : 8:19 : +0200

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Januar

 

 

 

Primitz von Paul Riehm im August 1928.

Abholung vom Elternhaus in der Marktstrasse durch die Pfarrgemeinde.

 

Archiv: Egon Gross

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Segensträger

 

Mancher religiöser Brauch aus der Zeit unserer Vorfahren mag uns heute stark in magischem Denken verhaftet erscheinen. Vielleicht war er aber auch manifester Ausdruck eines den Alltag durchdringenden Glaubens. Wir wollen hier nicht theologische Wertungen vornehmen, sondern von den religiösen Bräuchen unserer Vorfahren erzählen.

 

An Maria-Lichtmess werden im Gottesdienst Kerzen gesegnet. Diese Kerzen wurden früher nicht nur als Lichtquellen benutzt, gesegnete Kerzen galten als Schutz- und Segensträger. Bei einem schweren Gewitter zündete man eine geweihte Kerze an. In einem Sterbezimmer mussten geweihte Kerzen brennen.

 

Am Palmsonntag nehmen die Gottesdienstbesucher auch heute noch kleine Buchsbaum- sträuße (Pällem) mit zur Kirche. Die gesegneten Zweige werden mit nach Hause genommen. Früher hing in jedem Zimmer ein Wandkreuz. Am Palmsonntag wurde ein kleiner Palmzweig an das Kreuz gesteckt; die alten Zweige aus dem Vorjahr wurden abgenommen und im Feuer verbrannt. Auch in Stall und Scheune wurde einer der Zweige in das Gebälk oder eine Mauerritze gesteckt.

 

Im Ostergottesdienst wird nicht nur das Tauf- sondern auch das Weihwasser gesegnet. Früher achtete man darauf, dass das ganze Jahr über das Weihwasser im Haus nicht ausging. In den Schlafzimmern hing – meist neben der Türe – ein kleines Weihwasserbecken (Wäihwasserkesselchen). Am Morgen und Abend tauchte man die Finger der rechten Hand in das Weihwasser, um sich damit zu bekreuzigen.

 

Am Fronleichnamstag wurde der Prozessionsweg mit Fähnchen, Girlanden und dem Grün junger Birken (Maaién) geschmückt. Von diesen Maien brachen die Prozessionsteilnehmer Zweige ab, um sie mit nach Hause zu nehmen. Sie wurden in    Stall und Scheune angebracht und in den Äckern in den Boden gesteckt.

 

An Maria – Himmelfahrt werden beim Gottesdienst Sträuße aus Blumen und Wildkräutern gesegnet. Früher achtete man darauf, dass aus jedem Haus ein stattlicher Strauß (Wésch) von Blumen, Gräsern und Kräutern aus Wiese, Feld und Garten zur Kirche mitgenommen wurden. Der getrocknete Wésch wurde zu Hause übers Jahr aufbewahrt. Bei einem schweren Gewitter konnten Teile des Wéschs (wie des Pällemstraußes) im Ofen verbrannt werden. Wenn jemand aus der Familie starb, wurde ihm der Wésch in den Sarg unter das Kissen gelegt.

 

Josef Heinrich

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