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<typohead type="1" align="center">Fronleichnamsprozession am Altar auf der Kreuzung Scherer ( vor 1934 ).</typohead>
Archiv: Egon Gross
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<typohead type="1" align="center">Prozessionen als kirchliches Brauchtum</typohead>
Prozessionen sind uraltes kirchliches Brauchtum. Schon die Juden des Alten Testamentes wallfahrten nach Jerusalem. In feierlicher Prozession brachte David die Bundeslade nach Jerusalem. So sind Prozessionen so alt wie die Kirche selbst. Sie gelten als Symbol des wandernden Gottesvolkes auf dem Weg zu Gott.
Ein im Bistumsarchiv aufbewahrtes Visitationsprotokoll von 09.05.1829 nennt für Lebach fünf Sakramentsprozessionen, die an Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Dreifaltigkeit und Fronleichnam gehalten wurden. Daneben sind Prozessionen an Mariä Geburt, Mariä Lichtmess (2.2.), Aloisiusfest, Mariä Himmelfahrt, Palmsonntag und an allen Sonntagen zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt genannt, wobei letztere aber nur ihren Weg um die Kirche nahmen. Der Trierer Bischof Josef von Hommer wandte sich in seiner Amtszeit (1824 – 1836) gegen die überkommene barocke Schaufrömmigkeit so mancher Wallfahrt und Prozession und untersagte sie. Dazu gehörten vor allen Dingen Prozessionen an den Sonntagen zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt. Sakramentsprozessionen und die sogenannten Bittprozessionen werden aber bis zum heutigen Tag als kirchliches Brauchtum gepflegt.
Bei den drei Bittprozessionen vor dem Fest Christi Himmelfahrt (sie stammen vermutlich aus Gallien, wo sie Mamertus, Bischof von Lyon, aus Anlass von Erdbeben und Missernten im 5. Jahrh. einführte), betet man für mannigfache menschliche Anliegen, besonders für die Früchte der Erde und das menschliche Schaffen.
Die Bittprozessionen führten bis 1966 an drei Tagen morgens um 6.00 Uhr zu den Filialkapellen in Knorscheid, Niedersaubach und Eidenborn. Ab 1967 fanden die Prozessionen wegen des Straßenverkehrs nur noch um die Pfarrkirche statt. Seit 1974 wird an den drei Bitttagen zur Teilnahme an der Prozession eingeladen, die sich vom Fuße des Wünschberges zum Schönstatt-Zentrum bewegt.
Der Brauch, auch am Markusfest (25.04.) eine Bittprozession durchzuführen, hat sich nicht gehalten. Die sogenannte Markus-Bittprozession führte bis 1969 ebenfalls um 6.00 Uhr in der Frühe von der Pfarrkirche durch die Mottener Straße zum Böhmerkreuz und wieder zurück. Ab 1970 nahm die Prozession nur noch den Weg um die Pfarrkirche, um dann einige Zeit später doch dem starken Straßenverkehr zum Opfer zu fallen.
Ursprung und Ursache für die Sakramentsprozession am Patronatsfest (Dreifaltigkeitssonntag) sind nicht bekannt. Von altersher führte die Prozession zum sogenannten „Pickardkreuz“ an der Kreuzung Saarbrücker-Saarlouiser-Dillinger Straße. Das Kreuz ist als sogenanntes Pestkreuz bekannt. Es ist 1757 von der Pfarrei angeblich als Dank für die Verschonung von der Pest erbaut worden. Die Prozession könnte ebenfalls Ausdruck dieses Dankes gewesen sein. Es ist aber auch möglich, dass eine Sakramentsbruderschaft die Prozession gestiftet hat. Jedenfalls lässt sich der Anlass heute nicht mehr feststellen. Die Prozession konnte wegen des Straßenverkehrs ab 1959 den Weg zum Pickardkreuz nicht mehr einschlagen. Der Segensaltar wurde dann auf dem ehemaligen Marktplatz in der Friedensstraße aufgebaut. Schon bald war man gezwungen, wieder einen anderen Weg zu suchen, weil der Platz bebaut wurde (Haus Frekla). Ab 1961 führte die Prozession an die Michaelsschule in der Mottener Straße. Seit 1994 begibt sie sich zum Parkplatz im Schwalbenweg. Am Segensaltar beten die Prozessionsteilnehmer für die Stadt und ihre Bewohner.
Prozessionen zum Fronleichnamsfest werden u.a. erstmals in Köln (1277), in Benediktbeuren (1286) und in Würzburg (1298) nachgewiesen. Schon früh führte man Bilder, Kreuze und Reliquien mit. Die Hostie wurde erst später in kostbaren Schaugefäßen (Monstranzen) mitgeführt. Sie wird vom Priester unter dem Baldachin (im Volksmund „Himmel“ genannt) getragen. Die Fronleichnamsprozession, an deren Weg vier Segensaltäre aufgebaut wurden (in manchen Gegenden bis heute), ist sicher auch in Lebach sehr früh eingeführt worden. Noch bis 1968 nahm die Prozession den Weg von der Pfarrkirche durch die Saarbrücker Straße (sogenannter „Neuer Weg“), Jabacher Straße, Dillinger Straße, Marktstraße, Kirchstraße zurück zur Pfarrkirche. Einige Jahre führte die Prozession verkehrsbedingt durch die Bahnunterführung in der Pickardstraße. An dem langen Prozessionsweg waren stets vier Segensaltäre aufgebaut, deren Standorte wegen des Straßenverkehrs oftmals wechselten. Ein Altar befand sich zeitweilig am Pickardkreuz (ab 1960 in der Pickardstraße in der Nähe der Eisenbahnunterführung), zwei Altäre in der Marktstraße beim Hause Boullay (heute etwa Eingang zur City) und vor dem Haus Hotel Klein (ab 1956 ist dieser Altar in der Jabacher Straße errichtet worden). Der vierte Altar befand sich bei dem alten Friedhofskreuz an der Rückseite des Chorraumes der Pfarrkirche. Das Aufstellen und Schmücken der Altäre besorgten mit viel Einsatz und großem Eifer die Anwohner, wobei oftmals ein regelrechter Wetteifer um den „schönsten“ Altar entbrannte. An den vier Altären wurden die Evangelien gelesen, die Fürbitten gesprochen und zum Schluss der sakramentale Segen erteilt.
Wegen des Straßenverkehrs musste der Prozessionsweg 1969 geändert werden. Manche Teilnehmer haben sich aber auch über die Länge des Prozessionsweges beklagt. Deshalb ist ab 1969 auf dem Bahnhofsvorplatz nur noch ein Altar errichtet worden. Seit 1978 wird das Fronleichnamsfest im Zentrum der Stadt gefeiert. Im Anschluss an den Gottesdienst ziehen die Teilnehmer in einer Prozession, wobei das Allerheiligsten mitgeführt wird, zur Pfarrkirche. Obwohl sich die jetzige Form der Fronleichnamsprozession mit der früheren nicht mehr vergleichen lässt, wird der Brauch noch aufrechterhalten.
Nahezu verschwunden ist aber das Brauchtum, nach der Kerzenweihe an Mariä Lichtmeß (2.2.) eine Lichterprozession und am Sonntag vor Beginn der Karwache (Palmsonntag) eine Palmprozession durchzuführen. Bis vor einigen Jahren sind diese Prozessionen noch um oder in der Kirche gehalten worden.
Benno Müller
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