10.9.2010 : 22:18 : +0200

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März

 

Die Amerikaner kommen.

Bildbeschriftung: Panzersperre in der Mottener Strasse

 

Archiv: Thomas Rückher

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Die Amerikaner kommen.

 

Während in Saarlautern und Roden bis zum 19. März 1945 noch schwere Kämpfe tobten, änderten die Amerikaner ihren vorgesehenen Plan, die Westwallbefestigungen von hier aus nach Osten zu durchstoßen. Die Amerikaner umgingen diesen Frontabschnitt und stießen von der Mosel aus Norden kommend auf das Prims- und Theeltal vor. Am 14. März 1945 trafen ihre Panzerspitzen von Zerf kommend in Weiskirchen ein. Am 15.März erreichten sie Losheim und am 17. März vormittags gegen 9 Uhr bereits Nunkirchen. Beim Rückzug der deutschen Truppen wurden am gleichen Tag gegen 11 Uhr die beiden Primsbrücken in Schmelz sowie die Theelbrücke in Lebach gesprengt. Die ersten amerikanischen Panzer erschienen schon gegen 13 Uhr in Schmelz-Außen. Sie kamen aus Richtung Michelbach, Reimsbach und Düppenweiler. In der Nacht vom 17. zum 18. März wurde die Prims überschritten und in aller Frühe Schmelz-Bettingen besetzt.

Franz und Josef Sauer schildern die weiteren Ereignisse: Am Samstag, den 17. März gegen 17 Uhr sprengten die sich zurückziehenden deutschen Truppen ihr Munitionslager, das sie schon 1943 im Wald zwischen Tanneck und Forsthaus Horido angelegt hatten. Die hierdurch ausgelöste Druckwelle war so gewaltig, dass im Ortsteil Hahn sämtliche Fensterscheiben zerbarsten und viele Dachziegel abgedeckt wurden. Am gleichen Abend räumten die deutschen Truppen Lebach. Lediglich 4 deutsche Soldaten, die das Panzerabwehrgeschütz am Rande des Bettinger Waldes zu bedienen hatten, blieben noch zurück. Sie waren im Haus Sauer im Quartier. Am Sonntag den 18. März setzten auch sie sich im Morgengrauen mit Fahrrädern ab. Wegen der gesprengten Theelbrücke kamen sie aber sogleich wieder zurück.

Gegen 10 Uhr fuhr ein amerikanischer Panzer vom Tanneck Richtung Lebach. Er stoppte an der Einmündung zum Ortsteil Hahn. Zwei amerikanische Infanteristen pirschten sich als Spähtrupp mit der Maschinenpistole im Anschlag bis zum Haus Franz Sauer vor. Als kein gegnerisches Feuer eröffnet wurde, zogen sie sich wieder zurück zum Panzer und fuhren Richtung Tanneck. Um die Mittagszeit kamen Hunderte amerikanischer Infanteristen in einer breiten Kette, die vom Tanneck bis in Höhe Schloß la Motte reichte, aus dem Bettinger Wald und bewegten  sich in Richtung Theel. Als sie den Ortsteil Hahn erreicht hatten, durchkämmten sie jedes Haus nach Soldaten und Waffen. Die 4 deutschen Soldaten, die das Panzerabwehrgeschütz bedienen sollten, wurden im Haus Sauer gefangen genommen und auf einem Panzer in Richtung Schmelz abtransportiert. Mittlerweile füllte sich der Ortsteil Hahn mit Panzern, Jeeps und Militärfahrzeugen. Plötzlich kam aus Richtung Habach deutsches Artilleriefeuer auf. Ein Geschoss schlug vor dem Haus Schäfer-Folz als Volltreffer in einen Jeep. Hierbei wurden 2 amerikanische GI`s getötet. Nachdem die amerikanischen Soldaten alle Häuser im Ortsteil Hahn durchsucht hatten, mussten sämtliche Häuser im Unterdorf geräumt werden. Alle Dorfbewohner wurden in das Haus Schäfer-Folz eingewiesen. Nur für die Versorgung ihres Viehbestandes durften die Landwirte abends und morgens für kurze Zeit in ihre Stallungen gehen.

Mittlerweile waren die Panzer bis an die ersten Häuser der Trierer Strasse vorgestoßen. Die von  deutschen Volkssturm vorbereitete Straßensperre an der ev. Kirche war nicht mehr geschlossen worden.

Franz und Alfons Augustin ( damals 19 und 12 Jahre alt)  berichten als Zeitzeugen über die Besetzung der Trierer Strasse: Der erste amerikanische Panzer erschien am frühen Nachmittag und kam aus Richtung Schmelz. Er stoppte an der ev. Kirche und feuerte einige MG Salven in die Häuserfronten der Trierer Strasse. Nachdem kein deutsches Abwehrfeuer erwidert wurde, begannen die Hausdurchsuchungen. Die Gebrüder Augustin saßen mit ihren Großeltern im Keller ihres Gasthauses (Schommer) in der Trierer Strasse. Als ein amerikanischer GI bei der Durchsuchung ihres Hauses die Kellertür geöffnet hatte, riefen sie, dass keine deutschen Soldaten im Keller seien. Daraufhin feuerte er mit seiner MP in den Keller. Aus Angst krochen alle durch ein angelegtes Mauerloch in den Keller des Nachbarhauses von Michel Bauer. Danach wagten sie sich zögerlich aus diesem Keller und sahen viele amerikanische Panzer und Soldaten auf der Trierer Strasse. Als nun deutsches MG Feuer vom Wünschberg her aufkam, flüchteten die amerikanischen Infanteristen Richtung Friedhof. Sofort eröffneten die amerikanischen Panzer das Feuer in Richtung Wünschberg, bis das deutsche MG-Feuer aufhörte. Gegen 17 Uhr durchsuchten die amerikanischen GI`s in der Mottener Strasse am Kreutzenborn die Häuser nach Soldaten und Waffen. Die vorbereitete Panzersperre in der Mottener Strasse ( siehe Bild) konnte auch nicht mehr geschlossen werden.

Am nächsten Vormittag den 19. März (Josefstag), wurde eine Bekanntmachung per Dorfschelle ausgerufen: „Alle deutschen Soldaten und ehemalige Wehrmachtsangehörige müssen sich sofort bei der Kommandantur am Gasthaus Schommer einfinden“. Es versammelten sich mehrere Lebacher, die alle verwundet waren (z B. Franz Augustin ging an Krücken, Axel Winter war beinamputiert ). Sie wurden nach Hüttersdorf gebracht und vernommen. Da jeder von ihnen eine Kriegsverwundung vorzeigen konnte, wurden sie abends wieder nach Lebach gebracht mit der strikten Anweisung, dass sie 14 Tage lang ihre Wohnung nicht verlassen dürften.

Der Vormarsch der amerikanischen Streitkräfte ging unaufhaltsam weiter. Körprich wurde von Truppen, die aus Lebach kamen in der Nacht vom 19. zum 20. März kampflos besetzt. Am 19. März nahmen amerikanische Einheiten, die von Aschbach kamen, Calmesweiler, Bubach, Eppelborn, Hierscheid und Humes ein.

 

Am 21. März 1945 war das gesamte damalige Saargebiet besetzt, und für die hiesige Bevölkerung war der Krieg endlich zu Ende.

 

Egon Gross                                              

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