4.9.2010 : 19:45 : +0200

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März

 

Schulklassenbild des Jahrgangs 1907/1908

mit Lehrerin Frl. Bach.

 

Archiv: Egon Gross

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Schulferien im 19. Jahrhundert: Kaisers Geburtstag

 

Am 22.3.1887 wurde Wilhelm I. (1861 - 1888, ab 1871 Kaiser) 90 Jahre alt. In der „Chronik aus den Elementarschulen zu Lebach“ wird über dieses Fest berichtet. Die Feier war öffentlich und fand im Saale des Gasthofes zur Post in der Tholeyer Straße statt. Der Schulchronist, Lehrer Johann Britz, schreibt: „Um ½ zehn Uhr versammelten sich sämtliche Schulen von hier und Landsweiler in dem Festsaale, wo sich mittlerweile schon eine große Menge von Festteilnehmern eingefunden hatte. Die Festrede wurde von dem Lehrer Britz dahier gehalten. Dieselbe schloß mit einem donnernden Hoch auf unseren Heldenkaiser. Hier folgte die National - Hymne, dann unter steter Abwechslung ausgewählte patriotische Lieder und Deklamationen. Nach der Feier kehrten die Schüler in ihre Klassen zurück und erhielten ihre Wecken“.

Grundsätzlich reichte die Tradition dieses Festes in die Zeit zurück, als in den deutschen Einzelstaaten die Geburtstage der herrschenden Fürsten gefeiert wurden. Lebach gehörte seit 1815 zum Königreich Preußen und so waren die Geburtstagsfeiern der preußischen Könige schon vor der Reichsgründung staatlich angeordnet. Auch unter dem Enkel Wilhelms I., Kaiser Wilhelm II. (1888 - 1918), wurde jährlich der Kaisergeburtstag gefeiert und zwar am 27. Januar. Zur Freude der Kinder wurde an  Kaisers Geburtstag der „Kaiserweck“ spendiert.

In Lebach waren seit 1882 fünf Klassen eingerichtet und auch die Kinder der damals selbstständigen Gemeinden Jabach, Knorscheid, Hahn, Niedersaubach und Rümmelbach wurden hier eingeschult. Landsweiler hatte seit 1829 einen eigenen Lehrer und eine eigene Klasse. Der im Jahre 1853 in Hermeskeil geborene Lehrer Britz war im Jahre 1879 „…von der Hohen Königlichen Regierung zu Trier an die obere  Knabenschule zu Lebach“ berufen worden und hier bis zum Jahre 1922 tätig. Er ist Lebacher Bürgern als „Papa Britz“ oder „Papa Bietz“ in guter Erinnerung. Seine in der Chronik enthaltene Rede sowie die Programmpunkte des Festes geben Aufschluss über Zeitgeist und politische Absichten der Herrschenden. Dies kann durch Redeauszüge verdeutlicht werden: „…Am 22. März 1797, wenige Jahre vor Beginn eines neuen Jahrhunderts in einer Zeit, in der Jahrhunderte alte Staatengebilde in Nichts zerfielen, in der ganze Dynastien hinweggefegt … und ein neues Zeitalter im Entstehen begriffen war, in jener bewegten Zeit hat unser vielgeliebter Kaiser zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt…“. Die letzte Äußerung wurde von dem Kgl. Kreisschulinspektor Dr. Konze, der die Chronik am 6.12.1888 durchsah, mit der Randnotiz „Wundervoll“ versehen!

Weiterhin heißt es:“…Tage wie bei Leipzig, Düppel, Sadowa, Gravelotte, Sedan und Versailles, jene Diamanten seiner Krone sind es, die heute wie wunderbarer Sonnenschein in seine Seele fallen und sein edles Herz erfreuen. Heute am Spätherbst seines Lebens kann er mit Stolz und Genugthuung hinblicken auf sein Tagewerk, auf seine Errungenschaft, auf das einige deutsche Reich. Er ist der Friedensvermittler, der die lange einander feindlich gesinnten deutschen Bruderstämme wieder in Liebe miteinander verband; er ist der große Baumeister, der die Bausteine, die seine mächtigen Ahnen, die Hohenzollern, sammelten, zusammenfügte und auf den morschen Überresten des alten Reiches das neue, kräftige, jugendfrische deutsche Reich errichtete, das Feinden und Zeiten trotzen wird, indem es verkittet ist mit deutschem Heldenblute. … Deutschland steht gegenwärtig … geeinigt unter Preußens Führung groß und mächtig da, nur unsere Feinde wissen gar wohl, daß alle guten Deutschen an Kaiser und Reich festhalten. … Vertrauen wir dem guten Geiste unseres Volkes, der Heldenkraft unserer Armee und dem Genie der deutschen Führer. Vor allem gilt es, die erlangten Güter, die uns das einige Deutschland gebracht, zu eigen zu machen und sie immer tiefer in vaterländischem Boden Wurzeln fassen  zu lassen“.         

Die Vorteile der deutschen Einheit werden also betont. Das Kaisertum und das Vermächtnis der „Helden“ der Einigungskriege sollen den Zusammenhalt fördern. Ein patriotisches Bekenntnis zum Deutschen Reich, zu Preußen, zu dem alles überstrahlenden Kaiser und dem Herrscherhaus wird abgelegt. Die Einigungskriege werden glorifiziert. Der Kaiser selbst ist verehrungswürdig, weil er an den Schlachten als Oberbefehlshaber teilgenommen hatte. Vaterländisches Bewusstsein und Stolz auf Deutschlands Großmachtstellung sollen zunehmen. Politische Probleme, z.B. die unsichere Lage „im Herzen von Europa“ und der Revanchegedanke des „Erbfeindes“ Frankreich werden angesprochen. Das Kaisertum soll „den Frieden Deutschlands, Europas, die Wohlfahrt und Freiheit der Völker schützen“, aber „ … ein ganzes Volk in Waffen ist jederzeit bereit, seine Schlagkraft darzutun“. Die Tradierung des zum Ausdruck kommenden Welt- und Geschichtsbildes durch die Schule hat in der Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges zu einem übersteigerten Nationalgefühl beigetragen und   obrigkeitsstaatliches und militaristisches Denken gefördert.

 

Hildegard Bayer                                                                   

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