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Kriegserlebnisse eines jungen Lebacher Soldaten und seine Flucht aus der Tschechoslowakei.
Bildbeschriftung: Mercedes LKW 4,5 t.
Archiv: DaimlerChrysler AG
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Werner Follmar, Jahrgang 1925, hatte 1939 im Alter von 14 Jahren sein Pflichtlandjahr auf einem Bauernhof in Thüringen abzuleisten. Damals war dies die Voraussetzung für die Zuteilung einer Lehrstelle. Er konnte daraufhin eine Lehre als Automechaniker antreten. Mit 17 Jahren wurde er 1942 zum Reichsarbeitsdienst nach Tettingen in Lothringen einberufen. Seinen Einberufungsbescheid zur Wehrmacht erhielt er 1943, als er 18 Jahre alt war. Er wurde zur österreichischen Infanteriedivision „Hoch- und Deutschmeister“ gezogen. Nach einer kurzen Grundausbildungszeit kam sein Bataillon im Februar 1944 zum Fronteinsatz nach Italien. Nach dem Sturz Mussolinis im Juni 1943 hatten im Juli deutsche Truppen Italien besetzt. Am 22. Januar 1944 war die zweite Welle der Alliierten Streitkräfte mit 36.000 Soldaten in Süditalien gelandet. Um nach Norden vorzustoßen war die Eroberung des strategisch wichtigen Berges Monte Casino notwendig. Der 150 km südlich von Rom gelegene Monte Casino mit seinem historischen Kloster war fest in deutscher Hand. Drei Monate tobte um diesen Berg, eine der blutigsten Schlachten des II Weltkrieges mit 24.000 Toten. Nach der deutschen Niederlage am Monte Casino wurde das Bataillon „Hoch- und Deutschmeister“ zum nächsten Fronteinsatz an den Plattensee nach Ungarn verlegt.
Werner Follmar wurde hier als Kradmelder bei seinem Hauptmann eingesetzt. Da die Kampflinie immer weiter zurückverlagert werden musste, geriet seine Kompanie in der Tschechoslowakei zwischen die Fronten. Von Osten her rückten die Russen heran und von Westen kamen die Engländer. Seine Kompanie wurde wegen der aussichtslosen Lage aufgelöst. Jeder Soldat bekam seine Entlassungspapiere einschließlich Soldbuch. Damit war jeder Einzelne auf sich selbst angewiesen und musste sich nach Westen durchschlagen.
Werner Follmar war als Kradfahrer in der glücklichen Lage motorisiert zu sein und setzte sich mit seinem Hauptmann als Beifahrer in Richtung Deutschland ab. Sie kamen allerdings nicht weit, da zwei Tschechen ihnen das Motorrad abnahmen. Daraufhin mussten beide zu Fuß ihren Heimweg fortsetzen. Nach längerem Fußmarsch entdeckten sie am Straßenrand einen fast fabrikneuen Mercedes LKW 4,5 t mit 120 PS Dieselmotor und Allradantrieb, der von seiner deutschen Besatzung stehen gelassen worden war. Als Automechaniker untersuchte Werner Follmar das Fahrzeug und stellte fest, dass der LKW fahrbereit und zudem noch vollbetankt war. Sein Hauptmann und er setzten ihre Flucht mit diesem LKW nach Westen hin fort. Sie fuhren noch vor Erreichen der deutschen Grenze in die Arme der Engländer und gerieten in die Gefangenschaft.
Zusammen mit ihrem LKW wurden beide in ein provisorisch angelegtes Kriegsgefangenenlager gebracht. Hier traf Werner Follmar auch einen Altersgenossen aus der Heimat. Es war Fritz Thetard aus der Thetardsmühle in Neububach. In dem Sammellager befanden sich drei deutsche Veterinärkompanien mit ca. 150 Pferden. Das Essen war sehr kärglich. Täglich mussten zwei Pferde geschlachtet werden um die Versorgung für die vielen Gefangenen einigermaßen zu gewährleisten. Jeder einzelne Gefangene lag in einem Einmannzelt.
Um die vielen Pferde zu versorgen mangelte es an Futter. Daher wurde jeden Tag eine LKW Kolonne zusammengestellt und unter Bewachung der Engländer in die Umgebung des Lagers geschickt, um
bei den Bauern Stroh als Futter für die Pferde zu requirieren. Zu diesem LKW -Tross gehörte auch Werner Follmar mit dem in die Gefangenschaft mitgebrachten LKW. Er fasste den Plan, mit diesem LKW die Flucht aus der Gefangenschaft anzutreten.
Nach einigen Tagen täuschte Werner Follmar einen Defekt an seinem Fahrzeug vor und versprach, nach dessen Behebung der LKW Gruppe nachzukommen. Werner Follmar und sein Beifahrer, ebenfalls ein Saarländer aus Hostenbach, fuhren aber nicht der LKW Kolonne nach. Da sie ohne Bewachung waren, ergriffen sie die Flucht mit ihrem Fahrzeug Richtung Deutschland. Unterwegs luden sie deutsche Flüchtlinge auf, die zu Fuß in die Heimat unterwegs waren. Als sie deutschen Boden in Passau an der Donau erreicht hatten, besorgten sie sich hier einen Passagierschein zum Flüchtlingstransport ins Saargebiet. Mit diesem Passagierschein konnten sie die vielen Straßensperren der englischen und amerikanischen Militärpolizei und sogar den Rhein bei Mannheim überwinden. Nach vier Tagen trafen sie am 18. Mai in Lebach ein.
Werner Follmar gründete mit diesem aus der Gefangenschaft mitgebrachten Mercedes LKW ein Transportgeschäft. Zu dieser Zeit wurde nämlich in Lebach durch die vielen kriegsbedingten Zerstörungen mit dem Wiederaufbau begonnen . Betriebsbereite Transportfahrzeuge waren ja kaum noch in Lebach vorhanden, da diese Fahrzeuge fast alle von der Wehrmacht beschlagnahmt worden waren und im Krieg verloren gingen.
Egon Gross
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