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<typohead type="1" align="center">Bild der Marktstrasse vermutlich Januar 1945. Der freie Platz vor der
Kirchentreppe wurde während der französischen Besatzungszeit als
Paradeplatz für die Flaggenhissung der Trikolore genutzt.</typohead>
Foto: Archiv Egon Gross
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Amerikanische und französische Besatzungszeit
Die amerikanischen Kampftruppen, die am 18. März 1945 Lebach einnahmen und besetzten, fanden eine von deutschen Rückzugstruppen gesprengte Theelbrücke vor. Bei den einrückenden Kampftruppen waren auch Pioniereinheiten, die sofort eine Notbrücke über die gesprengte Theelbrücke legten, damit sie weiter vorrücken konnten. Die Lebacher Bevölkerung durfte aber die von amerikanischen GIs bewachte Brücke nicht benutzen, sondern musste über Trittsteine durch das Bachbett der Theel gehen.
Erste Bekanntmachungen per Dorfschelle verfügten eine totale Ausgangssperre, die nach wenigen Tagen durch Freistunden von 10 – 12 und von 16 – 18 Uhr aufgehoben wurde. Bei Androhung sofortiger Erschießung hatten in der übrigen Zeit alle Bewohner in ihren Häusern zu bleiben und die Haustüren offen zu halten.
Die amerikanische Militärpolizei beschlagnahmte das Hotel Klein an der Ecke Marktstraße – Trierer Straße und errichtete hier an der Straßenkreuzung B 268/269 eine Fahrzeugkontrollstelle. Am 11. April 1945 übersah der Lebacher Bauunternehmer Hans Alt mit seinem PKW einen solchen Kontrollposten vor der Kaserne in St.Wendel und wurde von einem Militärpolizisten in seinem fahrenden PKW erschossen.
Bereits am 10.Juli 1945 übernahmen französische Besatzungstruppen das Saargebiet von den Amerikanern. Die französische Gendarmerie beschlagnahmte in Lebach das Gasthaus Schommer in der Trierer Straße und richtete hier ihre Gendarmeriestation ein. Die Verhörmethoden bei den Franzosen waren brutal und wurden begleitet von harten Prügelattacken. Die Nachbarschaft in der Trierer Straße berichtete von stundenlangem Schreien und Stöhnen der vernommenen Personen. Anschließend wurden sie in die Räucherkammer auf dem Dachboden des Gasthauses eingesperrt. Unter den Vernommenen waren nicht nur denunzierte Nazis sondern auch unbescholtene Personen, die von den damals üblichen Hamstertouren kamen und die Ausgehsperrstunden missachteten.
Ein weiterer Gendarmerieposten wurde im Gasthaus Ferdinand Klein in der Marktstraße (heute Gasthaus Prestige) eingerichtet. Zu dieser Zeit war der Platz in der Marktstraße zwischen der Kirchentreppe und dem Textilhaus Kurt Jäger unbebaut (heutige Häuser: Boutique Shererazade, Erich Britz und Käthe Hell) und wurde zu einem Paradeplatz hergerichtet, auf dem täglich eine Flaggenparade stattfand. Während der Parade mussten die vorbeigehenden Bürger stehen bleiben und Männer und Jungen zum Fahnengruß ihren Hut oder die Kappe abnehmen.
Josef Knobe (damals 13 Jahre alt) wurde zu Verwandten nach Landsweiler geschickt. Als er am Amtsgericht in der Saarbrücker Straße vorbeikam und an der Trikolore seine Mütze nicht abnahm, wurde er in die Küche des Amtsgerichtes gebracht und musste zur Strafe Kartoffeln schälen. Ein anderer Junge im Alter von 12 Jahren erhielt für das gleiche Delikt von einem Gendarmen eine harte Prügelstrafe.
Zu dieser Zeit bildeten sich vor den Lebensmittelläden lange Warteschlangen, die bis zur Straße reichten. Aus einer solchen Warteschlange vor der Metzgerei Schmitt in der Marktstraße hatten zwei französische Gendarmen am Ostersamstag 1946 mehrere junge Frauen herausgeholt und brachten sie zum Amtsgericht in der Saarbrücker Straße. (Eine der Betroffenen war die damals 19 jährige Liesel Tiegs, geb. Bauer). Dort angekommen mussten einige von ihnen Kartoffeln schälen, die anderen mussten die Büroräume putzen. Nach Beendigung der Arbeiten durften sie nach Hause gehen.
Leider wurden in dieser Zeit auch Lebacher Bürger von Einheimischen denunziert. Eine Lebacher Familie wurde von Lebachern bei der französischen Gendarmerie als Nazifamilie angezeigt. Daraufhin wurde ein Sohn dieser Familie (21 Jahre alt) auf der Straße verhaftet und musste schwerste Prügelstrafen erleiden. Er wurde gezwungen hinter einem Haus in der Marktstrasse eine WC-Grube mit einem kleinen Gebinde leerzuschöpfen und wurde anschließend in diese Grube gesteckt. Am dritten Tag war er durch die unmenschlichen Prügel so schwer verletzt, dass er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Unter Bewachung seines Zimmers verbrachte er drei Wochen im Krankenhaus. Anschließend wurde er in Saarbrücken vor dem Gericht der französischen Geheimpolizei zu 25 Jahren Festungshaft mit anschließendem 20 jährigen Landesverweis verurteilt. Nur durch einen glücklichen Umstand befreiten ihn amerikanische Militärpolizisten aus der Festungshaft. Ein Amerikaner veranlasste seine Befreiung, der bei den Kämpfen in Afrika in deutsche Gefangenschaft geraten war und mit dem er damals als Soldat die Heimatadressen austauschte.
Unsere Zivilbevölkerung und unsere Landwirte hatten unter den Requirierungen und Beschlagnahmungen durch die französischen Besatzer sehr zu leiden. LKWs, PKWs und Motorräder mussten auf dem Schulhof an der Trierer Straße vorgeführt werden. Was den Franzosen gefiel wurde ohne Rücksicht auf Bedürftigkeit sofort beschlagnahmt und eingezogen. Bei den Landwirten wurden neben Reitpferden, Kühen und Schweinen Teile ihrer Vorräte und Ernte geplündert. Mit Waffengewalt nahmen sich manche französische Gendarmen diejenigen Gegenstände aus den Häusern, die sie nicht freiwillig bekamen.
Die gleiche Härte der französischen Gendarmerie gegenüber unserer Bevölkerung mussten die Franzosen ebenfalls während der deutschen Besatzungszeit in Frankreich durch einzelne deutsche Wehrmachtsgruppierungen ertragen.
Aus der französischen Besatzungszeit erzählt man sich auch andere Begebenheiten, die teilweise mit den französischen Gendarmen abgesprochen waren. So besorgte sich der Lebacher Weinhändler Karl Engel (genannt Schimmi) eine Fuhre Wein von der Mosel. Wein war zu dieser Zeit eine Rarität, die man nur auf dem Tauschweg oder mit guter Beziehung beschaffen konnte. Er lagerte die Weinfässer in seinem Weinkeller (genannt die Höll) in der Marktstraße ein. An einem Samstagnachmittag lud er einige prominente Lebacher zu einer Weinprobe in die Höll ein. (Tierarzt Dr. Dörr, Dentist Franz Schuh, Notar Hess, Notariatssekretär Johann Simon und andere). Die Weinverkostung verlief so feuchtfröhlich, dass die geladenen Gäste nicht mehr an die Ausgangssperre dachten. Spät in der Nacht zum Sonntag traten sie lautstark ihren Heimweg an und wurden von französischen Gendarmen verhaftet. Am nächsten Sonntagvormittag mussten sie zur Strafe vor dem Hochamt die Marktstraße und die Kirchentreppe zum Gespött der Kirchenbesucher kehren und wurden dann nach Hause entlassen.
Egon Gross
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