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<typohead type="1" align="center">Innenansicht der Lebacher Pfarrkircheum 1900 mit Hochaltar,</typohead>
Kanzel und Wandbemalung.
Archiv: Egon Gross
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Patrozinium, Kirmes und Martinsfeiern
Als die Christen nach der Konstantinischen Wende (unter Kaiser Konstantin, ab 312 n. Chr.) die Möglichkeit erhielten, Gottesdienste in eigenen Räumen zu feiern, wurde es üblich, die Kirchen durch Weihen der weltlichen Zweckbestimmung zu entziehen. Durch eine Eucharistiefeier, eine Festpredigt, Salbung mit Öl, Segnung mit Wasser und durch andere Riten wurde eine neue Kirche Gott „dediziert“ oder geweiht („konsekriert“). Als Schützer über die Kirche wurden Heilige oder Glaubensgeheimnisse (z. B. die Hl. Dreifaltigkeit) gewählt. So waren die beiden ersten Lebacher Pfarrkirchen aus dem 9. und 13. Jahrhundert der Gottesmutter Maria geweiht. Das Patronatsfest wurde an Mariä Geburt am 8. September gefeiert. Der traditionelle Mariä - Geburtsmarkt geht auf dieses Patrozinium zurück (erste
bekannte Urkunde über den Jahrmarkt aus dem Jahre 1614). Nach einem Visitationsbericht von 1657 war die Lebacher Pfarrkirche der Hl. Dreifaltigkeit geweiht, das Patronatsrecht hatte die Äbtissin von Fraulautern. Besitzungen der Abtei Fraulautern in Lebach sind schon für das Jahr 1270 urkundlich nachgewiesen. Der Zisterzienserorden befasste sich besonders mit der Dreifaltigkeitstheologie. Die Gottesmutter blieb ebenfalls Patronin der Kirche. Die Lebacher Pfarrkirche wurde 1881 völlig abgetragen und bis 1883 neu aufgebaut. Am 1.10.1883 wurden Kirche und Altar durch Weihbischof Johann Jakob Kraft der Hl. Dreifaltigkeit und Gottesmutter Maria geweiht. Das Patronatsfest wird am Fest der Hl. Dreifaltigkeit am ersten Sonntag nach Pfingsten gefeiert.
Nach der Dreifaltigkeitsprozession und einem feierlichen Gottesdienst beginnt die weltliche Kirmes. Verwandte und Freunde kommen zu Besuch und feiern bei gutem Essen und Trinken. Die Kinder und Jugendlichen freuen sich besonders auf die vielfältigen Angebote auf dem Kirmesplatz. Eine neunzigjährige Lebacher Mitbürgerin erinnert sich: “Meine Mutter gab mir einen Franken und ich habe sehr überlegt, ob ich mir damit ‚türkischen Honig’ kaufen oder auf die Schaukel gehen sollte. Der türkische Honig schmeckte noch besser als Nougat und wurde von einem Mann verkauft, der wie ein Türke gekleidet war (Turban, Pumphose mit Tuch als Gürtel). Es gab schon ein kleines Riesenrad, eine Berg- und Talbahn, Kettenkarussell und andere Karussells. Auto - Skooter kam erst in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf. Als ich einmal meinem Sohn morgens Kirmesgeld gab, war er den ganzen Tag verschwunden und ich suchte ihn am Spätnachmittag. Er hatte nicht nach Hause kommen können, weil er das Geld noch nicht ganz ausgegeben hatte. Als meine im Jahre 1886 geborene Mutter einmal auf einem Kirmeskarussell gesehen wurde, wo sie allerdings gerade auf ein kleines Kind aufpassen sollte, bekam sie am nächsten Tag von der Lehrerin Schläge, weil diese streng verboten hatte, zur Kirmes zu gehen“.
Der Kirmesplatz in Lebach befand sich zeitweise in der Nähe der Eisenbahnunterführung in der Pickardstraße und im jetzigen Bereich des Bahnhofsvorplatzes, dann bis 1962 auf dem alten Marktplatz in der heutigen Friedensstraße. Weiterhin dienten der Bahnhofsvorplatz, der Bereich des Sportplatzes in der „Untersten Wiese“ und der Platz neben der Auktionshalle als Kirmesplätze.
Die St. Michaelskapelle Lebach wurde am 29. September 1950 in bischöflichem Auftrag durch den Dechanten des Dekanates Dillingen, Michael Held, geweiht und unter den Schutz des Erzengels Michael und des hl. Johannes Baptist de la Salle, des Patrons der Lehrer, gestellt. Die feierliche Messe wurde von dem Apostolischen Visitator für das Saarland, Monsignore P. Dr. Michael Schulien SVD, unter Assistenz, gefeiert. Die Festpredigt hielt Definitor Johann Karl Kiefer. Eine „Wehrmacht - Kraftfahrzeughalle“ war zum Raum für Gottesdienste umgebaut worden.
Am 11. November 1949 wurde durch Initiative von Seminaroberlehrer Wilhelm Schinhofen im Katholischen Lehrerseminar die Feier zum Gedenken an Sankt Martin eingeführt. Der aus dem Rheinland stammende Deutschlehrer brachte von dort den Brauch des Fackelzuges und des Martinsfeuers mit. Letzteres wurde auf dem Sportplatz des Schulgeländes angezündet. In Erinnerung an den Schutzheiligen der Armen, Reiter und Soldaten wurden zunächst in der Internatsküche Martinsküchlein gebacken, später kaufte man dann Brezeln. Einmal wurde bei einem solchen Fackelzug ein großes Bild des hl. Martin mitgetragen. In Erinnerung an den Heiligen ritt bzw. reitet im Fackelzug ein maskierter „Sankt Martin“ mit. In der Pfarrei Lebach wurde das Martinsfest am 11.11.1956 eingeführt. Pastor Alois Kneip befürwortete das Andenken mit den Worten: “St. Martin ist der Mann der tätigen christlichen Liebe, der nach der Legende … mit dem Bettler seinen Mantel geteilt hat“ (Kleiner Apostel, 10.11.1957). Der erste Fackelzug führte vom alten Marktplatz zum Böhmerkreuz, wo das Martinsfeuer angezündet wurde. Es gab Martinsbrezeln, einen Wettbewerb der Fackeln und auch eine Martinskirmes.
Hildegard Bayer
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