10.9.2010 : 22:16 : +0200

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November

 

 

 

<typohead type="1" align="center" class="MsoNormal">Bergleute auf dem Weg zur Schicht</typohead>

Foto: Sbr. Bergm. Kalender 1958

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Beneidete Bergleute

 

Im März 1945 kamen die saarländischen Gruben für kurze Zeit unter amerikanische Kontrolle. Als am 10. Juli 45 die französische Militärregierung die Verwaltung des Saarlandes übernahm, ging die Aufsicht über die Gruben auf die „Mission Francaise des Mines de la Sarre“ über. Am 15.11.47 wurde die „Régie des Mines de la Sarre“ gegründet.

Zum Ende des Weltkrieges waren nur noch 5 500 Bergleute in den saarländischen Gruben unter Tage beschäftigt. Die tägliche Kohleförderung betrug 1 310 t. Im Dezember 1946 war die Zahl der Beschäftigten auf 41 208 gestiegen. Ende Dezember 47 auf 56 947, und im Jahr 48 wuchs die Belegschaft auf 62 000 Bergleute. Die Kohleförderung war wieder auf rund 13 Millionen Tonnen im Jahr gestiegen (vgl. Bergmannskalender 1949, S. 160).

Um seine wirtschaftlichen Interessen an der Saarkohle durchzusetzen, entließ Frankreich saarländische Kriegsgefangene vorzeitig aus der Gefangenschaft, wenn sie sich zur Arbeit auf der Grube verpflichteten. Mit einem provisorischen Entlassungsschein konnte auch Günther Schmitt die französische Gefangenschaft verlassen und seine Arbeit als Bergmann beginnen. Er erzählte uns aus seinen Erinnerungen: Bergleute aus dem Raum Lebach waren in Maybach, Camphausen, Brefeld und einige in Reden beschäftigt. Zu jeder Schicht fuhren drei Züge die Strecke Lebach-Wemmetsweiler-Saarbrücken, wobei in Wemmetsweiler jeweils ein Aufenthalt von 20 Minuten zum Umsetzen der Lok in Kauf zu nehmen war. Zur Frühschicht fuhr der erste Zug um 4.05 Uhr vom Bahnhof Lebach ab, der zweite um 4.20 Uhr und der letzte um 4.40 Uhr. Der zweite war der so genannte „Durchbrenner“, er fuhr von Lebach ohne Halt durch bis Wemmetsweiler. Zwischen 15.30 Uhr und 16.20 Uhr brachten die Züge die Bergleute von der Frühschicht wieder zurück nach Lebach. Entsprechend fuhren die drei Züge auch zur Mittag- und Nachtschicht.

In den Zügen waren zwei Drittel der Waggons für Bergleute reserviert. Von der Régie des Mines angestellte Zugordner sorgten dafür, dass diese Reservierung auch tatsächlich eingehalten wurde. Ließ man wegen Überfüllung der anderen Waggons einmal ausnahmsweise andere Reisende in die Bergmannsabteile zusteigen, so mussten sich diese mit Stehplätzen begnügen.

Grubeneigene Busse transportierten die Bergleute kostenlos zwischen ihren Wohnorten und dem Bahnhof Lebach. So fuhren die Grubenbusse ins Saubachtal, ins Theeltal bis Sotzweiler und ins Bohnental.

Die Löhne der Bergleute waren höher als die anderer Arbeiter. Im Dezember 47 erhielt z. B. ein Hauer einen Schichtlohn (8 Std.) von mindestens 654 fr. (vgl. Bergmannskalender 1949, S. 160). Dazu erhielten die Bergleute eine Reihe von Vergünstigungen, die damals manchen voller Neid auf die „gut- gestellten“ Bergleute blicken ließen. Die Zuteilung von Hausbrand (Deputatkohle) gehört traditionell zum Bergmannslohn. Wer im Monat alle Schichten verfahren hatte, erhielt zusätzlich einen Gutschein für drei Zentner Kohle. Dieser so genannte Kohlenschein war übertragbar, konnte also verkauft oder getauscht werden. Nach jeder Schicht erhielt der Bergmann in der Grubenkantine eine kräftige Suppe. Viele nahmen diese Suppe in einem Kochgeschirr für Familienmitglieder mit nach Hause. Auch anderes wurde - mehr oder weniger offen geduldet - mit nach Hause genommen: die bekannten „Mutterklötzchen“ (Abfallstücke von Holzstempeln), auch Kohlestücke in Tragetaschengröße sowie Gummistücke von alten Förderbändern, die zum Schuhesohlen verwandt wurden. Der Lebacher Schuster stellte aus solchem Grubengummi und starkem Leinenstoff Sommerschuhe für Mädchen her. Die Bergleute erhielten zusätzliche Brot-, Kartoffel- und Butterkarten. Sie konnten auf der Grube Tabakwaren, Wein und Cognac erwerben. Im Herbst konnte der Bergmann das so genannte Kartoffelgeld in Anspruch nehmen, ein zinsloser Vorschuss zum Erwerb von Winterkartoffeln. Die Höhe des Kartoffelgeldes wurde nach der Größe der Familie berechnet, die Rückzahlung wurde in kleinen Beträgen vom Lohn einbehalten. Die Bergmannsbauern konnten kostengünstig Kunstdünger und Saatgut von der Grube beziehen.

Die Régie des Mines ließ von Anfang an Gewerkschaften in den Gruben zu. Betriebsräte konnten sich für erträgliche Arbeitbedingungen einsetzen.

Die relative Besserstellung der Bergleute entsprach den wirtschaftlichen Interessen Frankreichs an der Saarkohle: So konnte die für Frankreich bestimmte Kohleförderung erhöht werden. Um die saarländische Bevölkerung mit Kohle zu versorgen, mussten die Bergleute in jedem Quartal an einem Sonntag eine unbezahlte Sonderschicht ableisten.

 

Josef Heinrich

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