6.2.2012 : 14:21 : +0100

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November

 

 

 

<typohead type="1" align="center" class="MsoNormal">Grabstein von Josef Hanau, gestorben 1929 mit folgender Inschrift:</typohead>

<typohead type="1" align="center" class="MsoNormal">Hier ruht der sehr ehrwürdige Josef, Sohn des Lebens, Hanau. </typohead>

<typohead type="1" align="center" class="MsoNormal">Er ging auf festgefügten Pfaden. Er übte Treu und Glauben.</typohead>

<typohead type="1" align="center">Möge er eingeschrieben sein in das Buch des Lebens.</typohead>

 

Foto: Thomas Rückher

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Jüdische Religiosität

 

Von den 2427 Ein­wohnern, die Lebach 1923 hatte, waren 2312 katholisch, 91 evangelisch, 12 jüdische Gläubige gehörten zu den Familien Hanau, Oppenheimer und Stern. 

Familie Hanau galt als religiös orthodox, sie lebte ihren Glauben streng nach den Regeln der jüdischen Überlieferung. Josef Hanau (1859-1929), soll ein überaus frommer Mann gewesen sein. Er war Vorbeter in der Hüttersdorfer Synagoge für die dort stattfindenden jüdischen Gottesdienste. Wenn zum Sabbatbeginn, also am Freitagabend, im Familienkreis im Haus, es lag auf dem heutigen Parkplatz an der Pfarrkirche, hebräisch gebetet wurde, dann geschah dies in einem kleinen Nebenzimmer, dessen Läden verschlossen wurden. Offensichtlich sollte von diesen Riten so wenig wie möglich nach außen dringen. Wenn z.B. katholische Kinder aus der Nachbarschaft nach Sabbatbeginn für Familie Hanau nochmals Feuer oder ein Licht anmachten, was für gläubige Juden als "Arbeit" rituell verboten ist, bekamen sie als Dank ein Stück Matzenbrot geschenkt. Josef  Hanau ließ seinen Haushalt koscher führen, d.h. rituell rein. Hierbei legte er offensichtlich einen ziemlich strengen Maß­stab an, und so verlieh er z.B. Küchengeräte nur äußerst ungern. Denn ein Küchengerät, das durch einen nicht rituell konsequent reinen Haushalt "unrein" wird, etwa weil in ihm Milch- und Fleisch gleichermaßen zubereitet werden, verunreinigt im Falle der Weiter- oder Rückgabe wieder. Für einen streng nach den Reinheitsvorschriften lebenden Juden kommt dieser rituellen Reinheit größte Bedeutung zu. Auch Familie Stern hielt die Speisevorschriften ein, inklusive der Unterscheidung zwischen Milch- und Fleischgerichten, so dass unter Umständen auf einem Tisch zwei verschiedene Gedecke für die jeweiligen Speisen vorhanden waren. Für die traditionellen Speisen wurden zu Suppen nur selbstverfertigte Matzenklöße, Reis und Grünkern verwendet. Das gewöhnliche, gesäuerte Brot für die katholischen Hausangestellten wurde zu Pessach, dem Fest der Erinnerung an die Rettung aus der Sklaverei in Ägypten, im Besucher­zimmer eingeschlossen, das Zimmer selbst von der Familie erst nach einem religiösen Reinigungsritus wieder betreten.

Ein weiteres Beispiel soll diese Bindung an die religiöse Tradition bzw. die Identifizierung mit dem jüdischen Glauben verdeutlichen. Am späten Frei­tagnachmittag hatte Josef Hanau in Jabach im Haus Knobe den Kauf einer Kuh abgesprochen, aber noch nicht getätigt. Wegen des Sabbatbeginns in etwa einer Stunde, wollte und konnte er den Kauf und das Wegführen des Tieres nicht ausführen. Mit dem Hinweis an den katholischen Bauern, dass der folgende Sonntag "euer Feiertag" sei, wurde die Durchführung des Kaufes für den folgenden Montag vereinbart. So wurde in gegenseitigem Einvernehmen erreicht, dass verschiedene Religionen nicht zum unüberwindlichen Hindernis im Alltag wurden.

Dazu wird eine Anekdote überliefert, die auch das Selbstver­ständnis der Hanaus als Lebacher zum Ausdruck kommen lässt. In der Zeit nach dem I. Weltkrieg besuchte der Trierer Bischof Lebach, wobei die Gemeinde, um ihren Gast ehren- und würdevoll  begrüßen zu können, die Häuser vor al­lem in unmittelbarem Umkreis der Kirche beflaggte und schmückte. Josef Hanau versah sein Haus ebenfalls mit einem Transparent, auf dem folgender Text zu lesen stand:

 

"Und bin ich auch ein Israelit,

so fei´r ich doch den Bischof mit!"

 

Im Zusammenhang mit der Familie Stern wird immer wieder von einem höchst eigenartigen religiösen Brauchtum erzählt, das sich auch im Kreis Saarburg nachweisen lässt, für das es aber weder in der Lebacher Überlieferung noch in der wissenschaftlichen Literatur eine Erklärung gibt. Als Julius Stern 1920 an den Folgen eines im Krieg zugezogenen Leidens starb und der Sarg zur Beerdigung nach Diefflen gebracht werden sollte, folgte Frau Emma Stern ihm nur bis zur Theel, also bis zum ersten fließenden Gewässer, vor dem sie dann nach Hause um­kehrte. Als Frau durfte sie den Sarg nur wenige Schritte von ihrem Wohnhaus weg begleiten, was für sie natürlich als sehr schmerzhafte Einschränkung empfunden wurde.

 

Thomas Rückher

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