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Ein folgenschwerer Luftangriff.
Bildbeschriftung: Luftbild von Lebach und Eidenborn. Die Markierung kennzeichnet die Jabo - Angriffsstelle am 27. September 1944.
Luftaufnahme: Egon Gross
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Ein folgenschwerer Luftangriff
Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten in der Normandie. Binnen weniger Monate war Frankreich von der deutschen Besatzung befreit. Bereits im September 1944 standen die Amerikaner an der Westgrenze Deutschlands.
Während deutsche Städte schon ab 1940 unter einem verheerenden Bombenkrieg litten, blieb Lebach bis zur Jahresmitte 1944 weitgehend davon verschont. Je mehr sich aber die Front der Reichsgrenze näherte, kam auch Lebach in das Visier feindlicher Flugzeuge. Den Alliierten war es inzwischen möglich, Flugplätze in Frankreich zu nutzen. Sie konnten dadurch die Strecke für ihre Jagd- und Bomberflugzeuge zu Zielen in Deutschland wesentlich verkürzen. Lebach war als wichtiger Verkehrsknotenpunkt etwa ab Mitte des Jahres 1944 den Angriffen von tieffliegenden Jagdbombern ausgesetzt, die man „Jabos“ nannte. Es waren schnelle Jagdflugzeuge, die mit mehreren Maschinengewehren ausgerüstet waren und Bomben zuladen konnten. Um den Nachschub an die Front zu erschwerten, griffen sie gezielt Eisenbahnanlagen an. Durch Bombenabwürfe gab es auch Tote unter der Zivilbevölkerung (z. B. am 06.10.1944 Josef Löw, am 18.11.1944 Jakob Grohs und Erwin Schug). Viele Häuser in der Jabacher- und Dillinger Straße wurden beschädigt oder erlitten Totalschaden. Die Menschen waren sich des Lebens nicht mehr sicher. Zeitzeugen berichten, „dass die Tiefflieger so ziemlich auf alles schossen, was sich bewegte“. In der Presse wurde häufig vor solchen Angriffen gewarnt. So war beispielsweise in der NSZ-Westmark vom 07.09.1944 zu lesen:
„In letzter Zeit ist es vorgekommen, dass einzelne Volksgenossen von feindlichen Flugzeugen aus mit Maschinengewehren und Bordkanonen beschossen wurden. Es ist deshalb notwendig, dass man bei Annäherung von tieffliegenden Flugzeugen, die man nicht einwandfrei als deutsche ausmachen kann, Deckung nimmt, indem man sich entweder durch Betreten eines Hauses der Sicht des feindlichen Fliegers entzieht oder hinter dicken Bäumen, Mauern, Böschungen, in Ackerfurchen und dergleichen Deckung sucht“.
Am Mittwoch, dem 27.09.1944 kam es an der Landstraße zwischen Lebach und Eidenborn (etwa in Höhe der heutigen Einfahrt zur Gärtnerei Steuer) zu einem folgenschweren Luftangriff. An diesem frühen Herbsttag waren mehrere Lebacher Familien bei der Apfelernte. Damals säumten Obstbäume die rechte und linke Straßenseite. Von einigen der Erntenden wurde der Landesproduktenhändler Jakob Grohs beauftragt, sie und ihr Erntegut mit seinem Lastkraftwagen nach Hause zu bringen. Etwa gegen 17.00 Uhr fuhr Peter Grohs, der Sohn von Jakob Grohs, mit dem Lastkraftwagen zur Erntestelle. Ein Zeitzeuge berichtete, dass sich auf der Straße auch noch ein oder zwei Militärfahrzeuge bewegten. Zur gleichen Zeit waren feindliche Jagdbomber im Anflug. Nach Berichten von Zeitzeugen können es bis zu vier gewesen sein. Diese nahmen im Tiefflug das Fahrzeug von Peter Groß mit Bordwaffen unter Beschuss. Dabei kamen vier Angehörige Lebacher Familien ums Leben. Die Frage, ob der Angriff ausschließlich dem Fahrzeug galt und die Zivilpersonen nur zufällig getroffen wurden oder ob man sie absichtlich unter Beschuss nahm, lässt sich heute mit letzter Sicherheit nicht mehr beantworten. In diesen Kriegstagen sind nicht selten Zivilpersonen, die als solche erkennbar waren, von tieffliegenden Jagdbombern beschossen worden.
Dem Luftangriff fielen zum Opfer:
Klara Wuschech mit ihrem damals 6-jähriger Sohn Axel, Nikolaus Serf sowie der 11-jährige Titus Jacob, der auf dem Baum von einem Geschoss getroffen wurde.
Während Klara Wuschech und Titus Jacob auf der Stelle tot waren, verstarben Axel Wuschech und Nikolaus Serf noch am selben Tag im Feldlazarett in Lebach.
Peter Grohs als Fahrer des Lastkraftwagens trug eine schwere Kopfverletzung davon. Seine Frau Käthe Grohs erzählt heute:
„Ich weiss von meinem inzwischen verstorbenen Ehemann, dass er durch das Rückfenster des Führerhauses von einem Schuss getroffen wurde. Er fiel mit dem Kopf nach vorne. Dadurch gingen weitere Schüsse über ihn hinweg. Er ist sofort ohnmächtig geworden und fuhr mit dem Lastkraftwagen gegen einen Baum. Das Führerhaus des Lastkraftwagens war wie ein Sieb durchlöchert“.
Anneliese Fischer, die als 7-Jährige den Fliegerangriff miterlebte, schildert ihn aus heutiger Sicht:
„An einem Tag im Frühherbst 1944 ging ich nachmittags mit meiner Mutter und meinem jüngeren Bruder Axel an die Landstraße zwischen Lebach und Eidenborn, um Äpfel zu ernten. Während wir bei der Ernte waren, erfolgte plötzlich und unerwartet ein Tieffliegerangriff. Ob es ein oder mehrere Flugzeuge waren, kann ich heute nicht mehr sagen. Ich meine mich aber zu erinnern, dass der Angriff, in Richtung Eidenborn gesehen, von links erfolgte. Auf der gleichen Seite war auch ein Schützen- oder Splittergraben. Hier suchten mehrere Personen Deckung. Ich wurde von jemandem in den Graben gestoßen. Der oder die Jabos flogen zum Greifen nahe über uns hinweg. Nach dem Angriff sah ich meine Mutter tot auf der anderen Straßenseite liegen. In der Nähe lag auch mein schwer verletzter Bruder, der kurze Zeit später im Lazarett verstarb“.
Auch der damals 7-jährige Werner Britz hat den Fliegerangriff zwischen Lebach und Eidenborn miterlebt. Er fasst seine Erinnerungen wie folgt zusammen:
„Ich sah mehrere Flugzeuge mit Doppelrumpf, sogenannte „Lightnings“, maß ihnen aber zunächst keine Bedeutung bei, bis sie beidrehten und auf uns zuflogen. Sie flogen so tief, dass ich die Piloten ganz deutlich sehen konnte. Im Graben auf der rechten Straßenseite, in Richtung Eidenborn gesehen, suchte ich Schutz. Nach dem Angriff liefen wir in einen Westwallbunker, der sich in der Nähe der Straße nach Landsweiler befand. Wir waren uns nämlich nicht sicher, ob nochmals ein Angriff erfolgen würde, was Gott sei Dank aber nicht der Fall war. In der Nähe der Angriffsstelle sah ich einen Lastkraftwagen und in der Nähe der Einfahrt zur Landsweiler Straße ein Rot-Kreuz-Fahrzeug stehen“.
Nach diesem Ereignis war für die Lebacher Bevölkerung der Krieg noch lange nicht zu Ende. Schon im November 1944 hatten die Amerikaner die beherrschenden Höhen auf dem linken Saarufer eingenommen. Fast Tag und Nacht musste nun auch die Lebacher Bevölkerung mit Luftangriffen leben. Zudem rückte die Front immer näher. Schließlich schlugen am 07.12.1944 die ersten Artilleriegeschosse in Lebach ein. Wer zu dieser Zeit Lebach nicht schon verlassen hatte, machte sich nun in weniger gefährdeten Ortschaften auf den Weg.
Benno Müller
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