6.2.2012 : 14:28 : +0100

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September

 

 

 

<typohead type="1" align="center">Lebacher Ziehungsbuben im Jahr 1911.</typohead>

Archiv: Egon Gross

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Schulfeiern: Die Sedansfeier von 1876

 

In der „Chronik der Elementarschulen zu Lebach“ finden wir einen Bericht über die Sedansfeier vom 2.9.1876. Die Erinnerung an die Schlacht von Sedan, die während des Deutsch - Französischen Krieges am 2.9.1870 stattgefunden hatte, sollte durch Dekret der preußischen Regierung vom 10.8.1872 in den Schulen wach gehalten werden.

 

In Lebach begann dieses Fest am Abend des Vortages mit einer Vorfeier. Es wurde durch „Böllerschüsse und Glockengeläute in drei Pulsen eröffnet. Hierauf begann bei eintretender Dunkelheit durch den Musikverein von Lebach ein großer Zapfenstreich bis in die Nacht hinein. Am eigentlichen Festtage verkündeten abermals in aller Frühe Böllerschüsse und Glockengeläute den historischen Tag. Hierauf und zwar gegen 8 Uhr wurden die sämtlichen Schulkinder zur Kirche geführt unter Anleitung der Lehrer und Lehrerinnen. Nach beendigtem Gottesdienste kehrte die Jugend in die betreffenden Lokale retour, denn alle in einem einzigen Saal aufnehmen war aus Mangel an Raum unmöglich, darum mußte jeder diejenige Klaße besuchen, der er zugehörte“.

Mit „Pulsen“ waren „Intervalle“ gemeint, „Lokale“ bedeutete „Schullokale“. Die erwähnte „Raumenge“ drückt das zunehmende Wachstum der Bevölkerung aus. Nach dem Bericht von Rektor Josef Leonardy aus dem Jahre 1937 wurden im Jahre 1871 273 Schüler in drei Klassen unterrichtet und zwar in dem Schulgebäude, das 1820 in der Tholeyer Straße erbaut worden war. Aufgrund der enormen Klassenstärke von 91 Schülern wurde 1873 eine weitere Klasse eingerichtet. Andere Festteilnehmer waren bei der Feier nicht anwesend. Die religiöse Prägung der Bevölkerung zeigt sich durch die Teilnahme der Schüler und Lehrer am Gottesdienst an einem doch profanen Festtag.

 

Die Lehrer hatten sich am Morgen des Sedansfestes nach dem Gottesdienst darüber verständigt, wie sie den Festtag begehen wollten. So sah der Festablauf vor, dass nach Erklärungen der Lehrer zur Schlacht von Sedan „ ein Hoch auf den heldenmäßigen Kaiser und ein vaterländisches Lied“ folgen sollten. Nach „Deklamationen der Schüler“ wurde „ein Hoch auf die siegreiche Armee“ ausgerufen, „weitere vaterländische Gesänge“ schlossen sich an.

Schließlich „…trennten sich, sichtlich gehoben, Lehrer und Schüler. In der Schulchronik werden die Ausführungen eines Lehrers wiedergegeben: „In der oberen Knabenschule ergriff zunächst der Lehrer das Wort und verbreitete sich über die schändlichen vom Zaune gebrochenen Ursachen des furchtbaren Krieges, entwickelte die glücklichen Fortschritte unserer Truppen; bemerkte, daß die tapferen Truppen insgesamt in 17 Hauptschlachten und 156 Gefechten blieben, erörterte, daß nachdem Frankreichs Kriegsmacht lahm gelegt und durch die furchtbare Niederlage bei Sedan total gebrochen, die verbündeten deutschen Truppen endlich die Hauptstadt Paris einschloßen und dieselbe durch Hungersnot zur Übergabe gezwungen, und fügte schließlich noch bei, daß Frankreich die enorme Summe von fünf Milliarden Franken an Deutschland als Kriegssteuer entrichten mußte und obendrein den Verlust von zwei kostbaren Provinzen nämlich Elsaß und Lothringen mit 1 Million 600000 Einwohnern zu beklagen hatte, da sehnte sich die ganze Welt nach Frieden, der nun endlich auch zu Wort kam“.  

Nicht etwa die Kaiserproklamation von Versailles (18.1.1871), das Kriegsende (28.1.1871) oder der Friedensschluss von Frankfurt am Main (10.5.1871) wurden als Nationalfeiertag ausgewählt, sondern die Kriegs entscheidende Schlacht bei Sedan. Dies weist auf die militaristische Gesinnung hin, die durch Kaiser und Reichsregierung gefördert wurde. Der Sieg bei Sedan hat durch die Gefangennahme Kaiser Napoleons III. (1852 - 1870) das Schicksal Frankreichs besiegelt. Bei der Schuldzuweisung am Ausbruch des Krieges wird der Begriff „schändlich“ sicher auf Frankreich bezogen. Durch die Betonung der Tapferkeit und Siege der deutschen Truppen ist eine negative Einstellung gegenüber Frankreich zu erkennen. Die Bezeichnung „Erbfeind“ wie bei der Schulfeier von 1887 kommt nicht vor. Der Krieg wird als „furchtbar“ bezeichnet und die Sehnsucht nach Frieden betont. Fünf Jahre nach der Schlacht bei Sedan und während des Kulturkampfes ist - nach den Worten des Lehrers zu urteilen - eine euphorische Haltung gegenüber Kaiser und Herrscherhaus bzw. eine feindliche gegenüber Frankreich noch nicht so ausgeprägt wie später.

 

Hildegard Bayer

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